Mary Januar 7, 2009
Posted by ChrisTina Maywald in Leseproben.Tags: Beeren, Bergen, Federn, Florian, Frau, Hütte, Kettchen, Mann, Mädchen, Nudeln, Ohrring, Tirol
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Hinter den leicht milchigen Scheiben konnte Florian vier Menschen erkennen. Ein kleineres Kind, ungefähr so groß wie er, eine junge Frau, ein Mann und eine deutlich ältere Frau.
Die junge Frau und der Mann sahen eigentlich ganz normal aus. Sie trugen Jeans und der Mann hatte dazu ein blaues Hemd an, die Frau ein buntes, das etwas länger war und fast bis zur Mitte der Oberschenkel reichte. Die Frau hatte schwarze Haare, die hinten zu einem Zopf geflochten waren und bis zur Hälfte des Rückens reichten.
Der Mann hatte auch schwarze Haare, sie waren aber bei weitem nicht so lang, wie Florian sich das so gedacht hatte. Er hatte die Haare mit einem schwarzen Band zusammengebunden, keine Federn, nix. Florian war enttäuscht. Immerhin erspähte er bei genauerem Hinsehen – was wegen der komischen Scheiben nicht so leicht war – dass der Mann ein dickes Silberarmband trug und auch an seinem Ohr ein glänzender Ohrring baumelte. Genauer konnte man es leider nicht sehen.
Die ältere Frau hatte ein langes Kleid an. Vielleicht war das ja wenigstens aus Leder – Florian hatte noch Hoffnung! Ansonsten hatte sie ihre langen weißen Haare zu zwei Zöpfen geflochten, die ihr bis zu den Hüften reichten. Um den Hals konnte Florian viele Ketten erkennen und an den Fingern trug sie ebenfalls silberne Ringe.
Das Kind war offenbar ein Mädchen, denn es trug ein halblanges buntes Kleid, darunter allerdings eine Jeans. Florian gefiel die Kombination. Die Füße steckten in modernen Turnschuhen und an den Armen hatte das Mädchen zahlreiche Kettchen.
Sie alle saßen um einen großen runden Tisch und aßen etwas das aussah wie grüne Bohnen und irgendein Fleisch. Der Raum war von vielen Kerzen und einem Gaslicht erhellt. Das kannte Florian von einer Hütte in den Bergen von Tirol, dort wurde auch mit Gas beleuchtet.
„Üäh, Bohnen!“, brummelte Florian. „Grün!“ So wie er es aussprach hatte man das Gefühl, dass das „Grün“ mit mindestens fünf ü geschrieben würde.
„Ach, nicht so der Gemüsefan?“, grinste Tatü.
„Nö, lieber Nudeln, aber da fast alles!“, antwortete Florian ehrlich.
Dem Kind im Raum erging es wohl ähnlich. Während alle anderen schon fertig waren, war ihr Teller noch halb voll. Endlich erhoben sich alle und die junge Frau – wohl die Mutter – nahm auch der Kleinen den Teller weg. Den Blick der Mutter kannte Florian nur zu gut. Das war der: „Wofür-koche-ich-hier-eigentlich?- Blick“. Die Kleine stand auf und kuschelte sich an die ältere Frau. Diese erhob sich, sprach kurz mit dem Mann, dann nahm sie das Kind an der Hand und die beiden kamen hinaus auf die Veranda.
„Danke Großmutter, ich konnte echt nichts mehr essen!“ Der treuherzige Blick ihrer Enkelin entlockte der alten Frau ein Lachen.
„Kein Wunder, bei den ganzen Beeren, die du vorhin unten am See gegessen hast! So viel haben wir früher als Kinder am ganzen Tag gegessen!“ Die alte Frau setzte sich auf die Holzbank, direkt neben das unsichtbare Krullemuck.
…..

Schön, eine schöne kleine Geschichte, geht sie noch weiter? Und wer ist Krullemuck?